Große Gefühle: Die Theater-AG führt „Romeo und Julia“ auf

Es war ein Abend der großen Gefühle: Die Theater-AG unter der Leitung von Judith Bentele und Michael Schulte führte am 24. und 25. April eine Adaption von Shakespeares Klassiker "Romeo und Julia" auf.

Sie gilt als die größte Liebesgeschichte aller Zeiten: die Geschichte von Romeo und Julia – er aus der Veroneser Familie Montague, sie eine Capulet. Tragischerweise sind die Familien seit Ewigkeiten verfeindet. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf, als Romeo (Fè Krischke) und Julia (Emily Kaffee) sich auf einem Maskenball kennenlernen und unsterblich ineinander verlieben – und das, obwohl Romeo eben noch ein Auge auf Rosalinde (Anjali Chatterjee) geworfen hatte. Romeo und Julia vertrauen sich angesichts der familiären Situation jedenfalls Pater Lorenzo (Fabian Einicke) an, der seine Hilfe anbietet, insbesondere, da Julia von ihren Eltern aus finanziellen Gründen mit dem reichen Schnösel Paris (Fabian Einicke) verheiratet werden soll, auch wenn die Haushälterin Margarete (Lina Roth) das Gegenteil behauptet. Noch schlimmer kommt es, als die Capulet – und die Montague-Gang aufeinandertreffen und und Julias Freundin Tybia (Emily Fischer) Romeos Freundin Mercutia (Clara Merz) im Streit umbringt. Romeo glaubt, keine andere Wahl zu haben, als Mercutia zu rächen und Tybia zu erschießen. Damit ist sein Schicksal besiegelt: Nach einer ersten und zugleich letzten Nacht mit Julia flieht er beim Gesang der Lerche aus Verona, während Julia von ihrer Mutter (Sofia Radde) über ihre bevorstehende Vermählung mit Paris informiert wird, die Julias Vater (Katina Schaefer) beschlossen hat. Jetzt kann nur noch Pater Lorenzo helfen, der in seiner Sakristei allerlei Pülverchen und Flüssigkeiten zusammenmischt. Er gibt Julia ein Schlafmittel, von dem sie wie tot wirken wird. Nach ihrer Beisetzung in der Familiengruft – so der Plan – soll sie erwachen und zu Romeo fliehen können, um für immer mit ihm glücklich zu sein. Romeo selbst will Pater Lorenzo von dem Plan in Kenntnis setzen lassen. Allein der Plan misslingt, da Romeo die Kunde von Julias Tod durch Francesca (Albina Morina) erfährt, bevor die Botin mit Pater Lorenzos Brief eintrifft. Sofort macht sich Romeo auf nach Verona, wo er Julia scheinbar leblos in der Gruft vorfindet. Vor Kummer trinkt er eine tödliche Menge des Schlafmittelrests aus der Flasche, die Julia noch bei sich hat, und während Julia erwacht, stirbt er neben seiner Geliebten . Als Julia klar wird, was geschehen ist, bricht ihre Welt zusammen. Verzweifelt setzt sie ihrem Leben ein Ende – mit dem Messer, das Romeo bei sich trug.

Die Autorin der aufgeführten Fassung Anke Ruge hat Shakespeares Stück gekürzt und sowohl sprachlich als auch inhaltlich in die Gegenwart versetzt. Judith Bentele, Michael Schulte und die Theater-AG haben es modern, peppig und mitreißend inszeniert und die Zuschauenden durch ein Wechselbad der Gefühle mitgenommen: jugendliche Sehnsucht nach Liebe, die Zweifel, ob es den Traummann überhaupt geben kann, Liebeskummer und Lebensfreude, Freundschaft und Hass, Verzweiflung und größtes Glück, Schrecken und Hoffnung und am Ende tiefe Traurigkeit über das tragische Schicksal nicht nur der Hauptfiguren, sondern auch das ihrer fassungslosen Freund*innen (Katina Schaefer, Eda, Arslan, Albina Morina, Lina Roth, Clara Merz, Anjali Chatterjee, Mayleen Paulus). Bei Shakespeare schließen die verfeindeten Familien schließlich Frieden angesichts der unfassbaren Tragödie, die eine Folge ihrer Fehde war. In der Fassung von Anke Ruge sind lediglich die Liebenden im Tod vereint, der Hoffnungsschimmer fehlt. Vielleicht fällt Optimismus in der gegenwärtigen Zeit einfach schwer …

Was überhaupt nicht schwerfiel, war, sich von den Darsteller*innen in das Stück hineinziehen und mitreißen zu lassen. Schon bevor es losging, sorgte die Spielrichtung für einen Überraschungsmoment: Die Zuschauenden saßen in der Aula, wo traditionell die Bühne steht. Als Bühne dienten der obere Teil der Aula, die Treppe zum Anbau und der „Balkon“ vor der Tier-AG. Damit hatten die Darsteller*innen viel mehr Bewegungsmöglichkeiten und Spielebenen. Das Bühnenbild selbst bestand aus Getränkekisten, Kissen und Tüchern, die immer wieder neu arrangiert wurden. Besonders beeindruckend waren die Special Effects: tolle Lichtstimmungen (wie immer gezaubert von der Technik-AG), Szenen in Slow Motion, bunt leuchtende Eiswürfel in den Getränken sowie Konfettikanonen beim Maskenball und Trockeneis, das Pater Lorenzos Alchemistenlabor das gewisse Etwas gab. Modern wurde die Inszenierung durch Referenzen auf die Popkultur: Greta aus Romeos Clique (Linas Roth) träumte von Filippo Franzelli, der „soooooo süß“ ist und aussieht wie Justin Bieber, Julias Clique schmachtet beim Anschauen von „Titanic“ und leidet mit, als Rose Jacks Versinken in den Fluten mitansehen muss und ihm flehentlich nachruft: „Komm zurück!“ Und die Frage, wer wem auf der rettenden Tür im eisigen Meer hätte Platz machen sollen, spielt eine zentrale Rolle für Julia und ihre Freund*innen: Gibt es einen Jungen, der für ein Mädchen sterben würde? Romeo hat das letztendlich getan, aber gerettet hat er seine Julia damit nicht. Was bleibt, sind Julias letzte Worte, ihr markerschütternder Schrei: „Komm zurück!“

„Kommt zurück!“ – das möchte man auch der Theater-AG zurufen, die zwei überaus unterhaltsame und bewegende Abende gestaltet hat. Wer weiß, vielleicht wird es ja noch eine Zusatzaufführung geben. Wir würden uns freuen!