Wo verläuft die Grenze zwischen Gut und Böse? Bis zu welchem Grad darf man die Anteile seiner Persönlichkeit ausleben? Wie weit dürfen Forschende in ihrer Forschung gehen, wo verläuft die ethische Grenze?
In einer eindrucksvollen Inszenierung von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ warf der Literatur- und Theaterkurs der Jahrgangsstufe J1 mit Gästen aus der J2 eben diese Fragen auf. Nach intensiver Probenarbeit brachte das Ensemble an zwei Aufführungsabenden die Bühnenfassung von B. K. Jerofke nach dem berühmten Roman von Robert Louis Stevenson auf die Bühne und überzeugte das Publikum mit einer ebenso anspruchsvollen wie bewegenden udn aufwühlenden Darbietung.
Unter der Leitung von Judith Bentele hatten sich die Schülerinnen und Schüler bewusst für ein Werk entschieden, das hohe Anforderungen an Sprache, Ausdruck und schauspielerische Gestaltung stellt, insbesondere, da der es galt, sehr viel Text zu lernen. Über ein Jahr hinweg entstand eine Inszenierung, die sich nicht nur durch ihre dichte Atmosphäre, sondern auch durch das engagierte Zusammenspiel des gesamten Ensembles auszeichnete.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der angesehene Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll, dessen Versuch, die guten und die dunklen Seiten des Menschen voneinander zu trennen, unvorhersehbare Folgen hat. Seine Verwandlung in den skrupellosen Mr. Hyde entwickelt sich zunehmend zu einem Kampf um Identität, Verantwortung und Selbstbeherrschung. Dabei entfaltet sich die Geschichte weit über einen klassischen Kriminalstoff hinaus zu einer Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen nach Moral, Freiheit und den Grenzen wissenschaftlichen Handelns.
Die Schülerinnen und Schüler verstanden es, diese Themen eindrucksvoll auf die Bühne zu bringen. Atmosphärische Licht- und Toneffekte, ein wirkungsvolles Bühnenbild sowie intensive Dialoge sorgten dafür, dass die innere Zerrissenheit der Figuren für das Publikum unmittelbar erfahrbar wurde. Besonders die Darstellung der Hauptfigur machte den fortschreitenden Verlust der Kontrolle und den Konflikt zwischen Vernunft und dunklen Trieben eindrucksvoll sichtbar, insbesondere in den Momenten, in denen Dr. Jekyll mit seinem Alter Ego Mr. Hyde um die „Vorherrschaft“ rang, oder in den Dialogen Jekylls mit Dr. Lanyon, der an die Verantwortung des Forschers appellierte.
Auch die Nebenrollen trugen wesentlich zum Gelingen der Aufführung bei. Ob Freunde, Wissenschaftler, Ermittler oder weitere Figuren des Londoner Umfelds – sie zeichneten ein vielschichtiges Bild einer Gesellschaft, in der Macht, Moral und persönliche Verantwortung immer wieder neu verhandelt werden. Dadurch gewann die Inszenierung zusätzlich an Tiefe und regte zum Nachdenken über zeitlose ethische Fragestellungen an.
Das Publikum dankte dem Ensemble am Ende mit mehr als verdientem lang anhaltendem Applaus. Die überaus gelungene Produktion zeigte eindrucksvoll, mit wie viel Kreativität, Ausdauer und Teamgeist der Literatur- und Theaterkurs gearbeitet hat. Sie war zugleich ein gelungenes Beispiel dafür, wie Theater anspruchsvolle Literatur lebendig werden lässt und dazu einlädt, sich mit den großen Fragen des Menschseins auseinanderzusetzen.






























































